Neue Maschinenverordnung: Wann sie in Kraft tritt und welche Änderungen es gibt

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Inhaltsverzeichnis

Die neue Maschinenverordnung (MVO) ersetzt die bisherige Maschinenrichtlinie.

Welche Änderungen gibt es?

Wann treten diese Änderungen in Kraft?

Wichtige Fragen für alle Personen und CE-Beauftragte, die in der Arbeitssicherheit, im technischen Vertrieb oder in der Konstruktion tätig sind.

Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst und aufbereitet.

Neue Maschinenverordnung: Welche Änderungen es gibt und wann sie in Kraft treten

Was ist die neue Maschinenverordnung?

Die neue Maschinenverordnung bezieht sich auf eine aktualisierte Gesetzgebung, die die Sicherheitsanforderungen und den Betrieb von Maschinen in bestimmten Branchen regelt.

Diese Verordnung zielt darauf ab, die Sicherheit von Maschinenbenutzern zu erhöhen, gleichzeitig die Effizienz der Maschinen sicherzustellen und die Einhaltung internationaler Standards zu fördern.

Die neue Maschinenverordnung entstand als Reaktion auf technologische Fortschritte und Veränderungen in der Produktionslandschaft (Industrie 4.0).

Ihr Hauptzweck ist es, ein einheitliches Sicherheitsniveau für Maschinen innerhalb der betroffenen Regionen zu gewährleisten.

Dies umfasst die Aktualisierung von Sicherheitsstandards, um mit neuen Technologien, wie der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung, Schritt zu halten.

Darüber hinaus adressiert die Verordnung auch die Notwendigkeit, internationale Sicherheitsnormen zu integrieren, um den globalen Handel zu erleichtern.

Neue Maschinenverordnung als PDF

Hier findest du die neue Maschinenverordnung als PDF.

Wann tritt die neue Maschinenverordnung in Kraft?

Die neue Maschinenverordnung wurde am 29. Juni 2023 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht.

Das bedeutet, dass diese Verordnung am 20. Tag nach der Veröffentlichung in Kraft treten wird, also am 19. Juli 2023.

Es gibt jedoch eine Übergangsfrist.

Die Übergangsfrist für die neue Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ist wie folgt geregelt:

Produkte, die entsprechend der Richtlinie 2006/42/EG vor dem 14. Januar 2027 in Verkehr gebracht wurden, dürfen von den Mitgliedstaaten nicht vom Markt ausgeschlossen werden.

Allerdings gilt Kapitel VI der neuen Verordnung bereits ab dem 19. Juli 2023 für solche Produkte, auch wenn für sie bereits ein Verfahren nach Artikel 11 der Richtlinie 2006/42/EG eingeleitet wurde​.

Wesentliche Änderungen und Neuerungen

Die neue Maschinenverordnung bringt eine Reihe von Änderungen mit sich.

Dazu gehören verschärfte Sicherheitsanforderungen, die Einführung neuer Kategorien von Maschinen und die Aktualisierung von Compliance-Verfahren.

Eine bedeutende Neuerung ist die stärkere Betonung der Risikobewertung und des Risikomanagements im Entwurfs- und Herstellungsprozess von Maschinen.

Zudem werden in der neuen Verordnung auch Aspekte wie die Mensch-Roboter-Kollaboration und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz berücksichtigt.

Mechanische Änderungen

Die Verordnung (EU) 2023/1230 legt mehrere mechanische Änderungen fest, die für Unternehmen relevant sind.

Zu diesen gehören unter anderem:

  1. Verbesserte Sicherheitsanforderungen: Unternehmen müssen sicherstellen, dass Maschinen die aktualisierten Sicherheitsstandards erfüllen.
  2. Risikobeurteilung: Es wird erwartet, dass Unternehmen systematische Risikobewertungen für ihre Maschinen durchführen.
  3. Marktüberwachung: Es gibt strengere Marktüberwachungsmaßnahmen, um die Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen.
  4. Dokumentation und Kennzeichnung: Die Anforderungen an Dokumentation und Kennzeichnung von Maschinen wurden aktualisiert.

Maschinen, mit sich selbst änderndem Verhalten

Für Maschinen mit sich selbst änderndem Verhalten, also solche, die durch Software oder KI gesteuert werden und eigenständige Anpassungen vornehmen können, gibt es spezifische Anforderungen:

  1. Sicherheitsbewertung: Diese Maschinen müssen einer gründlichen Sicherheitsbewertung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass sie auch unter sich ändernden Bedingungen sicher funktionieren.
  2. Dokumentation: Hersteller müssen ausführliche Informationen über das Verhalten der Maschine und deren Sicherheitsmechanismen bereitstellen.
  3. Software-Updates: Regelungen zu Software-Updates und deren Auswirkungen auf die Sicherheit der Maschine sind wichtig.
  4. Überwachung und Kontrolle: Unternehmen müssen Vorkehrungen treffen, um die Maschine im Betrieb überwachen und gegebenenfalls eingreifen zu können.

Digitale Betriebsanleitung

Digitale Betriebsanleitungen bieten mehrere Vorteile.

Sie sind jederzeit und überall verfügbar, was besonders bei mobilen Einsätzen hilfreich ist.

Aktualisierungen und Änderungen können schnell und kostengünstig durchgeführt werden, sodass Nutzer immer Zugang zu den neuesten Informationen haben.

Interaktive Elemente wie Videos oder 3D-Modelle verbessern das Verständnis komplexer Vorgänge.

Zudem ermöglichen digitale Anleitungen eine personalisierte Darstellung von Informationen, abhängig von der Nutzerrolle oder Erfahrung.

Außerdem tragen sie zur Umweltschonung bei, da Papier gespart wird.

Zu den Herausforderungen gehören:

  1. Zugänglichkeit: Die Anleitung muss für alle Nutzer leicht zugänglich sein, was bei verschiedenen technischen Geräten oder Softwareversionen schwierig sein kann.
  2. Aktualität: Digitale Anleitungen müssen regelmäßig aktualisiert werden, um mit technologischen Änderungen und Updates der Maschinen Schritt zu halten.
  3. Verständlichkeit: Die Informationen müssen klar und verständlich sein, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
  4. Rechtliche Anforderungen: Es müssen alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sein, insbesondere in Bezug auf Sicherheitshinweise und Haftungsausschlüsse.

Wann ist eine Maschine eine „Hochrisikomaschine“?

Eine Maschine wird als „Hochrisikomaschine“ eingestuft, wenn sie ein hohes Potenzial für schwere Verletzungen oder Gesundheitsschäden aufweist.

Dies betrifft in der Regel Maschinen, die unter bestimmten Umständen gefährlich sein können, wie zum Beispiel durch ihre mechanischen Eigenschaften, Geschwindigkeit, Druck, elektrische oder thermische Energie.

In der neuen Verordnung (EU) 2023/1230 gibt es spezifische Änderungen bezüglich Hochrisikomaschinen.

Diese Änderungen umfassen strengere Sicherheitsanforderungen und detailliertere Konformitätsbewertungsverfahren für solche Maschinen.

Ziel ist es, ein höheres Sicherheitsniveau zu gewährleisten und die Risiken, die von diesen Maschinen ausgehen, besser zu kontrollieren.

Was hat sich im Konformitätsbewertungsverfahren geändert?

In den Konformitätsbewertungsverfahren der Verordnung (EU) 2023/1230 gibt es wesentliche Änderungen:

  1. Erweiterte Anforderungen an die technische Dokumentation: Die Dokumentation muss detaillierter und umfassender sein, um die Sicherheit und Konformität der Maschine zu beweisen.
  2. Verschärfung der Kriterien für die Zulassung von Konformitätsbewertungsstellen: Es gibt strengere Anforderungen an die Qualifikation und Unabhängigkeit dieser Stellen.
  3. Neue Verfahren für bestimmte Maschinenkategorien: Für einige spezifische Maschinenarten wurden neue oder angepasste Bewertungsverfahren eingeführt.

Welche Auswirkungen hat das auf Unternehmen?

Für Unternehmen bedeutet die neue Maschinenverordnung eine Anpassung ihrer Prozesse und Produkte.

Dies kann die Notwendigkeit von Designänderungen, die Durchführung zusätzlicher Sicherheitstests und die Einhaltung strengerer Dokumentationsanforderungen beinhalten.

Zudem müssen sich Unternehmen mit den neuen Compliance-Verfahren vertraut machen und sicherstellen, dass ihre Produkte den aktualisierten Standards entsprechen.

Direkte Anwendbarkeit

Während eine Richtlinie von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden muss und Spielraum für Anpassungen lässt, ist eine Verordnung unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten gültig.

Dies bedeutet für Unternehmen eine einheitlichere Rechtslage und weniger Variationen in den rechtlichen Anforderungen zwischen verschiedenen EU-Ländern.

Gleichheit im Wettbewerb

Durch die direkte Anwendbarkeit der Verordnung wird ein einheitlicherer Rahmen für alle Unternehmen in der EU geschaffen.

Dies fördert den fairen Wettbewerb, da alle Unternehmen denselben Vorschriften unterliegen.

Anpassung von Prozessen und Systemen

Unternehmen müssen ihre Prozesse und Systeme überprüfen und gegebenenfalls anpassen, um die Einhaltung der neuen Verordnung sicherzustellen.

Dies kann Schulungen für Mitarbeiter, die Aktualisierung von Software und Betriebsrichtlinien sowie möglicherweise auch Änderungen in der Produktentwicklung und -herstellung umfassen.

Compliance und Sanktionen

Da Verordnungen strenger und direkter durchgesetzt werden können als Richtlinien, müssen Unternehmen besonderes Augenmerk auf die Einhaltung (Compliance) legen.

Nichtbeachtung kann zu schwerwiegenderen Sanktionen führen, einschließlich Geldstrafen und rechtlichen Konsequenzen.

Erhöhter Bedarf an Rechtsberatung

Um sicherzustellen, dass alle Aspekte der Verordnung korrekt umgesetzt werden, könnten Unternehmen verstärkt juristische Beratung in Anspruch nehmen müssen.

Dies gilt insbesondere für kleinere Unternehmen, die möglicherweise nicht über die internen Ressourcen verfügen, um die Komplexität der EU-Vorschriften eigenständig zu bewältigen.

Auswirkungen auf internationale Geschäfte

Unternehmen außerhalb der EU, die auf dem europäischen Markt tätig sind, müssen ebenfalls die Anforderungen der Verordnung erfüllen.

Dies kann Auswirkungen auf internationale Handelsbeziehungen und Exportstrategien haben.

9 Schritte für einen gelungenen Umstieg

1. Informieren und Verstehen

Das erste und wichtigste ist, sich gründlich über die Inhalte und Anforderungen der neuen Verordnung zu informieren.

Dies kann durch das Studium der Verordnung selbst, Fachliteratur oder durch Teilnahme an Seminaren und Workshops geschehen.

Achte darauf, dass du deine Mitarbeiter nicht überschüttest mit Informationen.

Bereite diese erst gut auf und leite sie an die richtigen Stellen weiter.

2. Rechtliche Beratung einholen

Es ist ratsam, rechtlichen Rat einzuholen, besonders wenn spezifische Aspekte der Verordnung unklar sind oder wenn es darum geht, wie genau diese auf das eigene Unternehmen anzuwenden sind.

3. Interne Prozesse überprüfen und anpassen

Du solltest deine internen Prozesse, Richtlinien und Systeme überprüfen und nötigenfalls anpassen, um sicherzustellen, dass sie den Anforderungen der Verordnung entsprechen.

Nehme es als Anlass, fehlerhafte Prozesse zu optimieren.

Also: Zwei Fliegen mit einer Klappe.

4. Mitarbeiterschulung

Es ist wichtig, dass alle Mitarbeiter, die von der Verordnung betroffen sind, entsprechend geschult werden.

Dies umfasst nicht nur das Verständnis der Verordnung selbst, sondern auch, wie sie in ihren spezifischen Arbeitsbereichen umgesetzt werden soll.

5. Kommunikation mit Stakeholdern

Unternehmen sollten auch sicherstellen, dass alle relevanten Stakeholder, wie Lieferanten, Partner und Kunden, über die Verordnung und ihre Auswirkungen informiert sind.

6. Compliance-Management-System einrichten

Ein Compliance-Management-System kann dabei helfen, die Einhaltung der Verordnung kontinuierlich zu überwachen und zu verwalten.

Zuerst solltest du eine gründliche Bestandsaufnahme aller relevanten Compliance-Bereiche in deinem Unternehmen durchführen.

Identifiziere dabei die spezifischen Gesetze, Vorschriften und Standards, die für dein Unternehmen relevant sind.

Führe anschließend eine Risikoanalyse durch, um zu bewerten, wo die größten Risiken für Non-Compliance liegen.

Erarbeite klare Richtlinien und Verfahren, die definieren, wie Compliance in deinem Unternehmen gehandhabt wird.

Diese sollten sowohl allgemeine Compliance-Grundsätze als auch spezifische Anweisungen für einzelne Bereiche umfassen.

7. Regelmäßige Überprüfung und Anpassung

Da sich Rechtsvorschriften und Marktbedingungen ändern können, ist es wichtig, dass du deine Compliance-Maßnahmen regelmäßig überprüfst und bei Bedarf anpasst.

8. Notfallpläne entwickeln

Für den Fall, dass es zu Problemen bei der Umsetzung der Verordnung kommt, solltest du Notfallpläne entwickeln, um mögliche Risiken und Sanktionen zu minimieren.

9. Feedback einholen und umsetzen

Sei offen für Feedback von Mitarbeitern, Kunden und anderen Stakeholdern sein und nutze dieses, um deine Prozesse und Compliance-Maßnahmen weiter zu verbessern.

Fazit

Die neue Maschinenverordnung (MVO), die die bisherige Maschinenrichtlinie ersetzt, wurde am 29. Juni 2023 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht.

Sie tritt am 19. Juli 2023 in Kraft.

Es gibt allerdings eine Übergangsfrist.

Die Verordnung bringt verschärfte Sicherheitsanforderungen, verstärkte Betonung der Risikobewertung und neue Anforderungen für Maschinen mit sich selbst änderndem Verhalten mit sich.

Unternehmen müssen ihre Prozesse anpassen, Mitarbeiter schulen und (sollten) ein Compliance-Management-System einführen.

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